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Deutschland ein Wirtschaftsstaat?
Eine Stellungnahme unter besonderer Berücksichtigung der
Globalisierung zum Wirtschaftsstandort Deutschland.
"Made in Germany" - das war einst das Qualitätsmerkmal schlechthin. Ende des 19. Jahrhunderts begann das Vereinigte Königreich mit der Kennzeichnung importierter Ware, um sich vor minderwertigen Auslandsprodukten zu schützen. Im Krieg war "Made in Germany" auch ein Hinweis auf die Produkte des Gegners, die das Volk möglichst boykottieren sollten. Doch daran dachte es nicht, denn die Bürger fanden schnell heraus, das deutsche Arbeit Wertarbeit ist und "Made in Germany" dadurch ein Siegel für Güte. Der Schuss ging also nach hinten los und Deutschland hätte kaum etwas Besseres passieren können. Mit dem Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg kam ein sich nie wiederholender Höhenflug für "Made in Germany".
Heute, im 21. Jahrhundert, hat der Herkunftsschriftzug, auf den wir einst so stolz waren, schwer zu Kämpfen mit einer sich rasant entwickelten und entwickelnden Erscheinung: der Globalisierung. Sie ist der Prozess der zunehmenden internationalen Verflechtung in allen Bereichen. Der technische Fortschritt und die politischen Entscheidungen zur Liberalisierung des Welthandels sowie die speziell in Europa immer stärker wachsende Europäische Union haben zur Globalisierung, dem Gesellschaftswort der letzten Jahre, geführt. Globalisierung bedeutet konkret grenzüberschreitender Handel mit Gütern, Dienstleistungen, Kapital und technischem Wissen. Logistikunternehmen die Transporte per Schiff durchführen sind Gewinner der Globalisierung. Ihre Container sind das Symbol für unseren globalen Erdball.
Doch was bedeutet die Globalisierung für Deutschland? Deutschland ist Exportweltmeister und das bestimmt nicht zuletzt durch das Zusammenrücken der Welt und durch den teilweise noch im Hinterkopf schwebenden Qualitätsanspruch an "Made in Germany". Doch einstige Entwicklungsländer, insbesondere aus Fernost, bescheren uns Probleme die zum Umdenken führen müssen. Eins unserer größten Defizite ist das hohe Gehalts- und Lohnniveau, welches schon seit Jahren für eine hohe Arbeitslosenquote sorgt. Unternehmen entlassen in Deutschland Mitarbeiter um ihre Produktion in Billiglohnländer zu verlagern. Durch die Globalisierung ist dies problemlos möglich und spart Millionen. In China beispielsweise verdienen Arbeitnehmer unter 50 Euro im Monat. Außerdem wird mehr gearbeitet. Das führte bereits dazu, dass die Textilindustrie fast vollständig aus Deutschland abgewandert ist. Hierzulande werden nur noch die Ideen entwickelt und wird die Kopfarbeit geleistet. Aber nicht nur einfache Arbeiten wandern ins Ausland. In Indien zum Beispiel werden verschiedenste Dienstleistungsarbeiten für westliche Unternehmen ausgeführt. Beliebt ist unter anderem die Buchhaltung dorthin zu verlagern. Vorreiter ist Nordamerika. Von dort wurden bereits fast eine Millionen Dienstleistungsstellen nach Indien umgesiedelt, Europa zieht kräftig nach. Und ein solcher Zuspruch sorgt etwa in China für ein Wirtschaftswachstum von ca. zehn Prozent; Jahr für Jahr. Deutschland im Vergleich erreichte 2006 lediglich 2,9 Prozent und auch nur durch eine angezogene Binnennachfrage.
Was soll dann noch in Deutschland bleiben? Fakt ist, für die Massenproduktion ist der Wirtschaftsstandort Deutschland nicht mehr geeignet. Der größte Kostenfaktor, die Personalkosten, ist einfach zu groß. Und vielleicht sind wir mit unserem Motto "Geiz ist geil" und dem dadurch gesunkenen Qualitätsempfinden nicht ganz unschuldig daran. Deutschland muss auf Innovationen setzen und Vorreiter bei neuen Entwicklungen sein. Deshalb ist Forschung und Entwicklung eins der wichtigsten Pferde, auf das wir setzen müssen. Selbst bei der deutschen Vorzeigeindustrie, dem Automobilwesen, bereiten die hohen Produktionskosten enorme Probleme. Auch hier wird die Fertigung weiter ausgelagert. Zudem verfügt die Bundesrepublik über keine nennenswerten Rohstoffe, mit denen sich Arbeitsplätze schaffen und Geld verdienen lies. Deshalb müssen wir auf den einzig verbliebenen Baustein setzen, auf unsere Bildung. Und auch bei den Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten muss Deutschland so viel besser sein, wie es teurer ist.
Doch auch hier hat unser Staat die Entwicklung zu spät vorhergesehen. So fehlen tausende von Ingenieuren in Deutschland, die die letzten deutschen Wissensgebiete, wie zum Beispiel den Anlagenbau, vorantreiben können. Und auch hier sind die aufstrebende Volksrepublik China und Indien uns deutlich voraus. Jährlich schließen tausende Ingenieure und andere Fachleute ihre Ausbildung erfolgreich ab. Diese Masse von gut ausgebildeten und jungen Leuten bekommen wir bereits hier zur spüren. Erinnern wir uns an die IT-Fachleute aus Indien, die zum Ausgleich unseres Bedarfs ins Land geholt wurden.
Wie können wir es also noch rechtfertigen, dass Deutschland in Punkto Bildung so unengagiert ist, obwohl es die einzige Möglichkeit ist um den Anschluss an den Rest der Welt nicht zu verlieren? Die Pisa-Studie hat es bewiesen: Wir, die es eigentlich so nötig haben, vermitteln Wissen in mangelhafter Weise. Aber trotz allem streiten wir lieber über Sinn und Unsinn des Bildungssystems, Lehrermangel, Stundenausfall und andere Problemsituationen, anstatt endlich anzupacken und etwas dagegen zu tun. Die Globalisierung wartet nicht auf uns, sie schreitet geschwind voran und raubt dem individuellen Nationalstaat nach und nach Macht und Bedeutung (De-/Entnationalisierung).
März 2007|
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