Durch die weitere Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. (mehr)

Menü

Kommunikation

Zur Person

Wer war Paul Watzlawick?

Paul Watzlawick wurde 1921 im österreichischen Villach geboren, studierte ab 1939 Philologie und Philosophie an der Universität Venedig und promovierte 1949 im Fach Philosophie. Von 1951 bis 1954 absolvierte er eine Ausbildung in Psychotherapie in Zürich, die er mit dem Analytikerdiplom abschloss. Im Jahre 1957 folgte Watzlawick dem Ruf der Universität El Salvador in die Hauptstadt San Salvador und hatte bis 1960 den Lehrstuhl für Psychotherapie inne.

Watzlawicks Forschungsschwerpunkte als Professor für Psychotherapie waren Kommunikationsprozesse und die systematische Familientherapie. Die praktischen Erfahrungen, die Watzlawick zur Formulierung seiner Kommunikationstheorie veranlassten, gewann er bei der Erforschung der Kommunikation schizophrener Personen, die er meist als Mitglieder von normalen oder psychisch gestörten Familien klinisch beobachtete bzw. therapeutisch behandelte.

Don D. Jackson gelang es 1960 Watzlawick für sein Mental Research Institute im kalifornischen Palo Alto zu gewinnen, wo er maßgeblich an der Entwicklung der Doppelbindungstheorie beteiligt war. Im Jahre 1967 erhielt Watzlawick zusätzlich einen Lehrauftrag im Fachbereich Psychiatrie an der Stanford University.

Watzlawick starb 2007 im Alter von 85 Jahren in seiner Wahlheimat Palo Alto an einer schweren Krankheit. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die "Anleitung zum Unglücklichsein", "Die Möglichkeit des Andersseins", "Vom Schlechten des Guten" und "Wie wirklich ist die Wirklichkeit?".

Randnotiz

Was ist ein Axiom?

Der klassische, aus dem Griechischen stammende, Axiombegriff ist ein auf Aristoteles und Euklid zurückzuführender Grundsatz, der unmittelbar einleuchtend, in sich einsichtig und unbestreitbar ist. Als evidentes Prinzip ist ein Axiom eine gültige Wahrheit, die keines Beweises bedarf.

In den empirischen Wissenschaften bezeichnet ein Axiom ein als absolut richtig anerkanntes Grundgesetz, das vielfach empirisch bestätigt wurde. Klassisches Beispiel für ein naturwissenschaftliches Axiom sind die Newtonschen Gesetze der Mechanik.

Kommunikationsaxiome nach Watzlawick

Der Kommunikationsforscher Paul Watzlawick wurde unter anderem durch seine Kommunikationstheorie bekannt, die auf die folgenden fünf pragmatischen Axiome aufbaut und in jeder Situation mit kommunikativem Charakter gilt.

1. Der Mensch kann nicht nicht kommunizieren.

Kommunikation zwischen Menschen findet auf verschiedenen Ebenen statt. Neben dem miteinander Reden, kommunizieren Menschen auch mit Gesten und Mimik. Jede noch so passive Körpersprache stellt Kommunikation dar, da jedes Verhalten kommunikativen Charakter hat. Verhalten besitzt kein Gegenteil. Man kann sich also nicht nicht verhalten und somit auch nicht nicht kommunizieren.

2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei der letztere den ersteren bestimmt.

Wer kommuniziert, teilt einen Inhalt, eine Botschaft, mit. Der Kommunikationsprozess sagt neben dem reinen Inhalt auch aus, wie die Beziehung zwischen den Kommunikationspartnern ist und in Folge dessen auch, wie die Botschaft des Senders vom Empfänger zu verstehen ist. Der gleiche Inhalt zwischen sich fremden Personen wird anders kommuniziert als beispielsweise zwischen Freunden. Der Beziehungsaspekt der Kommunikation zeigt, in welcher emotionalen Beziehung die Kommunikationspartner stehen. Er bestimmt den Inhaltsaspekt, weil die Art der Beziehung zwischen zwei Kommunikationspartnern das gegenseitige Verständnis steuert.

Optimale Kommunikation kommt zustande, wenn Einigkeit beim Inhalts- und Beziehungsaspekt herrscht oder Uneinigkeit auf der Inhaltsebene nicht zu Beeinträchtigungen der Beziehungsebene führt.

3. Jeder Kommunikationsprozess ist von der Interpunktion der Kommunikationspartner abhängig.

Jeder Kommunikationsprozess unterliegt einer gewissen Struktur. Sender und Empfänger gliedern den Kommunikationsablauf unterschiedlich, wodurch ihr eigenes Verhalten nur als Reaktion auf das des anderen interpretiert wird. A zum Beispielt teilt B etwas mit, B hört zu und nimmt es auf, B fragt nach, A verdeutlicht, B antwortet, während A zuhört, A stellt eine Rückfragen und so weiter. Niemand kann aufgrund dieses Kommunikationsverlaufs später beispielsweise angeben, wer bei einem Streit "angefangen hat". Die Struktur eines solchen Kommunikationsprozesses wird Interpunktion genannt.

4. Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten.

Kommunikation besteht aus digitalen und analogen Bestandteilen. Während digitale Kommunikation vergleichsweise eindeutig ist und wenig Spielraum für Interpretation lässt, ist analoge Kommunikation ungenauer und vielseitiger. Sagt jemand beispielsweise "Es regnet draußen.", so ist dies eine relativ klare Aussage in digitaler Form. Wird der genannte Satz aber zum Beispiel von einem traurigen Gesichtsausdruck begleitet, so kann dies viele Bedeutungen haben. Es kann heißen, dass der Sender vom ständigen Regen genervt ist oder dass er nun auf dem Fußweg nach Hause nass wird.

Digitale Kommunikation vermittelt oft den Inhaltsaspekt, wogegen analoge Kommunikation, welche meist nonverbal erfolgt, oft die Beziehungsebene aussagt. Erfolgreiche Kommunikation erfolgt, wenn analoge und digitale Modalität übereinstimmen und wenn beide eindeutig sind.

5. Kommunikationsprozesse sind entweder symmetrisch oder komplementär strukturiert.

Die Beziehung zwischen zwei Kommunikationspartnern basiert entweder auf Gleichheit oder Ungleichheit. Bei einer symmetrischen Beziehung ist das Verhalten der Interpunktionspartner spiegelbildlich. Beide Partner besitzen gleiche Eigenschaften im Gespräch. Bei komplementären Beziehungen ergänzt das Verhalten des einen Partners das des anderen. Zum Beispiel Dominanz eines Kommunikationspartners korrespondiert mit Unterwürfigkeit des anderen Partners.

Das Verhältnis der beiden Interpunktionspartner darf jedoch keinesfalls mit gut und böse, stark und schwach oder ähnlichem bewertet werden. Oftmals beruhen komplementäre Beziehungen nämlich auf gesellschaftlichen oder kulturellen Gegebenheiten wie beispielsweise bei Vater und Kind, Vorgesetztem und Angestellten sowie Arzt und Patient.

Erfolgreiche Kommunikation findet statt, wenn beide Kommunikationsabläufe ausgewogen vorhanden sind.

Empfehlenswerte Literatur von Paul Watzlawick (Anzeige):