Verschlüsselte Zeugnissprache

Da ein Arbeitszeugnis grundsätzlich wohlwollend formuliert werden muss, damit dem Arbeitnehmer das berufliche Fortkommen nicht ungerechtfertigt erschwert wird, hat sich in den vergangenen Jahren eine verschlüsselte Zeugnissprache entwickelt und verbreitet. Heute sind viele Formulierungen allgemein bekannt und haben eine bestimmte Bewertung erhalten. So können Unternehmen auch mit im Allgemeinen gut klingenden Aussagen, negative Kritik durch das Arbeitszeugnis an andere Unternehmen kommunizieren. Folgend eine Übersicht mit verschiedenen gängigen Formulierungen und ihren Bewertungen.

Formulierung Bewertung
   
Arbeitsleistung
   
stets zu unserer vollsten Zufriedenheit sehr gut
stets zu unserer vollen Zufriedenheit gut
stets zu unserer Zufriedenheit befriedigend
zu unserer vollen Zufriedenheit befriedigend
zu unserer Zufriedenheit ausreichend
im Großen und Ganzen zufriedenstellend mangelhaft
zu unserer Zufriedenheit zu erledigen versucht ungenügend
   
Arbeitserfolg & Arbeitsweise
   
stets mit größter Genauigkeit und Sorgfalt sehr gut
mit großer Genauigkeit und Sorgfalt gut
mit Genauigkeit und Sorgfalt befriedigend
im allgemeinen mit Genauigkeit und Sorgfalt ausreichend
   
Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen (i. d. R. in dieser Reihenfolge)
   
Ihr/Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war stets einwandfrei/vorbildlich. sehr gut
Durch charakterliche Integrität/Vertrauenswürdigkeit trug Frau/Herr ... in höchstem Maße zu einem guten Betriebsklima bei und war bei Vorgesetzen und Kollegen gleichermaßen sehr anerkannt und beliebt. sehr gut
Ihr/Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war einwandfrei. gut
Durch Integrität/aktives und kooperatives Wesen hat Frau/Herr ... wesentlich zu einem guten Betriebsklima beigetragen und war bei Vorgesetzen und Kollegen gleichermaßen sehr anerkannt und beliebt. gut
Ihr/Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war gut. befriedigend
Durch ihr/sein Wesen und ihre/seine Vertrauenswürdigkeit hat Frau/Herr ... zu einem guten Betriebsklima beigetragen und war bei Vorgesetzen und Kollegen gleichermaßen anerkannt und geschätzt/beliebt. befriedigend
Aufgrund ihres/seines kooperativen Wesens war Frau/Herr ... bei Vorgesetzten und Kollegen anerkannt und geschätzt. befriedigend
Aufgrund ihrer/seiner verbindlichen Verhaltensweise war Frau/Herr ... bei Vorgesetzten und Kollegen anerkannt und geschätzt. befriedigend
Ihr/Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war zufriedenstellend. ausreichend
Bei Vorgesetzten und Kollegen war Frau/Herr ... allseits anerkannt. ausreichend
Ihr/Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war insgesamt einwandfrei. mangelhaft
Frau/Herr ... war aufgrund ihrer/seiner kooperationsgeneigten Art bei Vorgesetzten und Kollegen anerkannt. mangelhaft
Frau/Herr ... war aufgrund ihrer/seiner offenen/verbindlichen Verhaltensweise bei Vorgesetzten und Kollegen allseits anerkannt. mangelhaft
   
Führungsqualitäten
   
Frau/Herr ... verstand es stets, ihre/seine Mitarbeiter zu überzeugen und zu motivieren, so dass sie/er alle ihm übertragenen Aufgaben mit großem Erfolg verwirklichen konnte. sehr gut
Sie/Er konnte seine Mitarbeiter überzeugen und förderte die Zusammenarbeit. gut
Sie/Er führte seine Mitarbeiter zielbewusst zu überdurchschnittlichen Leistungen. befriedigend
Sie/Er motivierte seine Mitarbeiter. ausreichend
   
Danksagung
   
Wir bedauern den Verlust von Frau/Herrn ... und bedanken uns bei ihr/ihm für die stets sehr gute und produktive Zusammenarbeit. sehr gut
Sie/Er hat das Unternehmen entscheidend nach vorne gebracht. sehr gut
Wir bedauern eine so gute Fachkraft/Führungskraft zu verlieren und sind für die stets gute Leistung/Leitung zu großem Dank verpflichtet. gut
Wir bedauern, eine so gute Fachkraft/Führungskraft zu verlieren und danken für die gute Leistung/Leitung/Zusammenarbeit. befriedigend
Wir bedanken uns für seine/ihre Mitarbeit/Zusammenarbeit. ausreichend
Wir können unseren Dank für die stete Arbeitsbereitschaft nicht versagen. mangelhaft
Für das stete Bestreben/Interesse an der Mitarbeit/Zusammenarbeit bedanken wir uns. mangelhaft

Darüber hinaus haben sich Formulierungen etabliert, die bestimmte Negativvorkommnisse konkret beschreiben. Grundsätzlich dürfen jedoch keine doppeldeutigen Formulierungen im Arbeitszeugnis verwendet werden. Folgend eine Übersicht mit dennoch verbreiteten Formulierungen und ihren Übersetzungen.

Formulierung Übersetzung
   
Ihre/Seine Arbeitsweise gab keinen Anlass zu Beanstandung und Klagen. Ihre/Seine Arbeitsweise gab Anlass zu Beanstandung und Klagen.
Frau/Herr ... hat ihre/seine Arbeit ordnungsgemäß/pflichtbewusst erledigt. Frau/Herrn ... fehlt Eigeninitiative.
Frau/Herr ... war sehr tüchtig und in der Lage, die eigene Meinung zu vertreten. Frau/Herr ... hat von sich eine hohe Meinung und verträgt keine sachliche Kritik.
Frau/Herr ... war ein anspruchsvoller und kritischer Mitarbeiter. Frau/Herr ... war eigensüchtig, pochte anderen gegenüber auf ihr/sein Recht und nörgelte gerne.
Frau/Herr ... bewältigte Aufgaben stets im Alleingang. Frau/Herr ... war ein Einzelgänger.
Frau/Herr ... verstand es Aufgaben zu delegieren. Frau/Herr ... war faul.
Frau/Herr ... verstand es stets aufgrund ihrer/seiner ausgeprägten Kooperationsbereitschaft seine Kollegen in eigene Arbeitsabläufe erfolgreich einzubinden. Frau/Herr ... drückte sich vor seiner Arbeit und ließ diese Kollegen erledigen.
Frau/Herr ... hat alle Aufgaben mit großem Fleiß erledigt. Frau/Herrn ... musste alles mehrfach erklärt werden.
Frau/Herr ... arbeitete mit besonderer Genauigkeit und Sorgfalt. Frau/Herr ... arbeitete extrem langsam.
Frau/Herr ... zeigte sich Anforderungen und Belastungen gewachsen. Frau/Herr ... verlor bei Stress ständig die Nerven.
Frau/Herr ... verfügt über Fachwissen und hat ein gesundes Selbstvertrauen. Frau/Herr ... klopft große Sprüche um mangelndes Fachwissen zu überspielen.
Frau/Herr ... war ein verständnisvoller Vorgesetzter. Frau/Herr ... besaß keine Autorität.
Frau/Herr ... war sehr tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen. Frau/Herr ... ist eine/ein unangenehme/unangenehmer Zeitgenossin/Zeitgenosse und Wichtigtuerin/Wichtigtuer, der/dem es an Kooperationsbereitschaft fehlt.
Wir bestätigen Frau/Herrn ... Ordentlichkeit und Pünktlichkeit. Wir können Frau/Herrn ... keine Ordentlichkeit und Pünktlichkeit bestätigen.
Frau/Herr ... war durch sein aufgeschlossenes Wesen bei Kollegen gerne gesehen. Frau/Herr ... führte lange Privatgespräche während der Arbeitszeit.
Ihre/Seine umfangreiche Bildung machte sie/ihn zum gesuchten Gesprächspartner. Sie/Er führte lange Privatgespräche während der Arbeitszeit.
Frau/Herr ... war ein geselliger Mitarbeiter. Frau/Herr ... war dem Alkoholkonsum nicht abgeneigt.
Ihre/Seine freundliche und gesellige Art war sehr geschätzt. Sie/Er neigt zu intensivem Alkoholkonsum.
Frau/Herr ... war Kollegen gegenüber aufgeschlossen. Frau/Herr ... flirtete/trug gerne aufreizende Kleidung.
Frau/Herr ... zeigte stets Einfühlungsvermögen für die Belange der Belegschaft. Frau/Herr ... suchte sexuellen Kontakt im Betrieb.
Frau/Herr ... hat die Aufgaben in ihrem/seinem und im Interesse des Unternehmens gelöst. Frau/Herr ... hat Diebstähle oder/und andere Verfehlungen begangen.
Frau/Herr ... engagierte sich innerhalb und außerhalb unseres Unternehmens. Frau/Herr ... war Betriebsrat, Gewerkschaftler oder ähnliches.
Das Verhalten zu Kollegen und Vorgesetzten war vorbildlich. Das Verhalten zu den Vorgesetzten war keineswegs vorbildlich.
Frau/Herr ... hatte ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten und vermied Spannungen. Frau/Herr ... war ein Zustimmer und Mitläufer, der sich gut anpasste.
Frau/Herr ... galt bei Kollegen als tolerant. Frau/Herr ... hatte Unstimmigkeiten mit den Vorgesetzten.
Frau/Herr ... war ein gewissenhafter Mitarbeiter. Frau/Herr ... war ein Versager.
Frau/Herr ... verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch. Frau/Herr ... hat gekündigt.
Das Arbeitsverhältnis endete am .... Dem Arbeitnehmer wurde gekündigt.
Das Arbeitsverhältnis endet im besten beiderseitigen Einvernehmen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber haben sich einvernehmlich getrennt.
Das Arbeitsverhältnis endete in gegenseitigem Einvernehmen. Das Ausscheiden wurde dem Arbeitnehmer durch den Arbeitgeber nahe gelegt.
Das Arbeitsverhältnis wurde einvernehmlich getrennt. Das Ausscheiden wurde dem Arbeitnehmer durch den Arbeitgeber nahe gelegt.

Empfehlenswerte Literatur zum Personalwesen:

Kontakt | Impressum
© 2010 - 2011 WIRTSCHAFTSWISSEN.INFO